46_reimeir1Innsbruckläuft ist seit Herbst wieder im Rahmen der Initiative „Kinder gesund bewegen“ in sieben Innsbrucker Schulen und Kindergärten unterwegs. Wir haben Lauftrainer Benjamin Reimeier zum Interview gebeten. 

Innsbruckläuft: Benjamin, wie lange bist du schon Trainer im Projekt „Kinder gesund bewegen“?
Benjamin Reimeier:
 An dem Projekt „Kinder gesund bewegen“ war ich eigentlich schon von erster Stunde an beteiligt. Ich habe im April 2015 mein Praktikum bei „Innsbruck läuft“ begonnen und damals war die Idee durch ein Projekt an Schulen, die Kinder zum Laufen und Bewegen zu animieren. Ich begann mit 2 Klassen der Waldorf-Schule Innsbruck, die dann beide auch beim Kinderbewerb des Stadtlaufs 2015 teilnahmen. Von da an wurde das Projekt aufgebaut und weitergeführt, wodurch immer mehr Schulen Interesse an diesem Projekt zeigten und auch immer mehr Trainer beteiligt waren.

Wie sieht eine Bewegte Stunde mit dir aus?
Ich versuche, die Stunden altersgerecht aufzubauen. Da bis jetzt nur Volksschulen teilnahmen, lag der Altersbereich der Schüler zwischen sechs und zehn Jahren. In diesem Zeitraum machen die Kinder jedoch sehr große Entwicklungen mit, sowohl körperlich als auch kognitiv und in ihrer Wahrnehmung. Somit müssen die Einheiten sehr auf die jeweilige Altersstufe angepasst werden.

Was bedeutet altersgerecht?
Grundsätzlich versuche ich den Fokus auf die natürlichste Fortbewegungsmethode zu legen die wir als Mensch haben – das Laufen. Da längere Laufeinheiten von den meisten Kindern jedoch eher als langweilig und als eine Strafe empfunden werden, versuche ich diese Bewegungsformen in Spiele einzubauen. Bei diesen Ausdauerspielen ist wichtig, dass es keine zu komplizierten Regeln gibt und die Kinder erfahren können, dass ihre eigene Anstrengung einen Einfluss auf den Ausgang des Spieles hat. Sind diese 2 Faktoren gegeben sind die Kinder vor lauter Energie und Einsatz meist nicht mehr zu halten. So beginnt eine Stunde mit einigen schnellen, unkomplizierten Aufwärmspielen, die wenig Erklärung erfordern und alle Kinder zum Bewegen bringt. Dann folgt eine kurze Dehn- und Bewegungseinheit bei der die Kinder jede Woche eine neue Bewegungsaufgabe bekommen, die sie bis zur nächsten Einheit verbessern können. Den Hauptteil der Stunde nimmt dann ein kompliziertes und aufwendigeres Ausdauerspiel ein, das meist in Gruppenform organisiert ist. Viele kurze Trink- und Verschnaufpausen sind ebenfalls immer mit eingeplant.

Welche Werte willst du den Kindern und Lehrern vermitteln?
Die Welt in der wir leben wird von Tag zu Tag mobiler und schneller in der Art wie wir kommunizieren und uns austauschen. Aus körperlicher Sicht jedoch, geschieht meiner Ansicht nach genau das Gegenteil. Die meisten Menschen werden immobiler und eingeschränkter in ihrer Bewegungsfreiheit und diesen Trend kann man leider auch bei den jüngsten in den Schulen erkennen. Anfangs war ich der Meinung, dass eben diese Punkte der natürlich Bewegungsfreiheit und dem Spaß und der Freude an Bewegung, die wichtigsten Punkte sind, die wir den Kindern mitgeben sollten. Nach nun eineinhalb Jahren und einigen Schulklassen, die ich begleiten durfte, bin ich jedoch der Ansicht, dass Sport und Spiel viel mehr enthalten als nur physische Komponenten. So können die Kinder in dem geschützten Umfeld des Sportunterrichts vor allem soziales Verhalten entwickeln und den Umgang mit ihren eigenen Emotionen lernen, die nach einen Sieg oder eine Niederlage sehr schnell und lautstark zum Ausdruck gebracht werden. Verlieren zu können ohne die Fassung zu verlieren, mit unfairem Verhalten umzugehen und trotz drohender Niederlage nicht aufzugeben sind nur einige kleine Aspekte, die den pädagogischen Wert des Sportunterrichts unterstreichen. Diese Werte möchte ich den Kindern und Lehrern in erster Linie vermitteln.

davWie passt das Projekt zu den Veranstaltungen von Innsbruckläuft bzw zur Grundhaltung der Organisatoren?
Ich denke dieses Projekt passt daher sehr gut zu den Veranstaltungen von „Innsbruck läuft“. Die Kinderbewerbe sind vor allem beim Stadtlauf bereits sehr beliebt und daher kann durch solche Projekte der Laufsport ganzen Schulklassen näher gebracht werden, mit der Möglichkeit gleich bei Laufevents als Klasse teilzunehmen. Die Kinder wachsen somit in einer Bewegungskultur auf, die der ganzen Gesellschaft langfristig Vorteile bringt. Ein peruanischer Rapper sagte einmal passend dazu: „The mind of a child is where the revolution begins“. Vielleicht keine Revolution, aber immerhin eine kleine Veränderung zu mehr Freude an der Bewegung und einem gesünderen, glücklicheren Leben kann dieses Projekt bewirken.

Danke, für das Gespräch!

 

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